Das kleine aber fiese Zungenband

Das kleine aber fiese Zungenband

Das kleine aber fiese Zungenband

Liebe Mami!

Bis vor zwei Jahren war mir nicht bewusst, dass das zu kurze Zungenband ein ganzheitliches Problem darstellt, dass es eine große Qual nicht nur für Babies und ihre Eltern, sondern für Menschen JEDEN Alters bedeuteten kann!
Und damit bin ich nicht alleine, im Gegenteil: so geht es auch allen meiner befreundeten Kinderärzte/Innen und Allgemeinärzte/Innen. Vielleicht gab es eine Vorlesung dazu, die ich geschwänzt habe, vielleicht gab es mal einen potentiellen Schulungspatienten in der Klinik, den ich verpasst habe – aber ich wage zu sagen, dass das nicht der Fall war!
Wäre ich nicht eine IBCLC-Stillberaterin und hätte ich nicht entsprechende Fortbildungen dazu ZUFÄLLIG im Netz gefunden, wüsste ich heute noch nichts darüber.
Was für eine SCHANDE, kann ich nur sagen. Gleichzeitig sehr heilsam für mich, es hat mich mal wieder daran erinnert, dass ich eigentlich nichts weiß!
 
Ich frage mich im Nachhinein, wie vielen Müttern mit Stillproblemen ich den falschen Rat gegeben habe.
 
Wie oft ich das „mein Kind hat Augenringe“ nicht ernst genommen habe.
 
Wie oft habe ich gesagt „solange es gut wächst und trinkt macht das nichts!“
 
…und wieviele der Kinder mit ADHS oder autistischen Zügen in Wirklichkeit ein zu kurzes Zungenband haben – ignoriert oder unentdeckt?
 
Ich frage mich bei Erwachsenen, die einen Herzinfarkt hatten oder 4 Medikamente gegen zu hohen Blutdruck nehmen: Wäre das zu verhindern gewesen, hätte man das Zungenband rechtzeitig durchtrennt?

Dass es Spezialisten gibt ist wichtig. Aber Spezialisierung heißt oft auch, dass es mehr in die Tiefe als in die Breite geht. Das heißt, der Aspekt der Verbundenheit, der ganzheitlichen Wahrnehmung geht verloren – natürlich – man kann einfach nicht alles wissen.

Und auch wenn das, was ich zu diesem Thema weiß, auch wieder nur ein Teil des Puzzles ist, ein anderer Blickwinkel, muss ich diesen Blogbeitrag verfassen, denn wenn du Bescheid weißt, kannst du dich, dein Kind oder jemand anderen, vor sehr viel Leid bewahren.
Denn let’s Face it: höchstwahrscheinlich wird dir sonst (im Jahre 2020) kaum jemand hier weiterhelfen können.

10 Dinge, die du über das zu kurze Zungenband wissen solltest!

  1. Das Zungenband (Frenulum linguae) liegt unter der Zunge und wird bei vielen sichtbar, wenn sie die Zungenspitze Richtung Gaumen heben. Es verbleibt nach der embryonalen Entwicklung als Überrest, es ist eine Faszie in der Mittellinie des Mundes, die normalerweise die Funktion der Zunge nicht einschränkt.
  2. Durch programmierten Zelltod sollte dieser eigentlich verschwinden. Er kann zu dick, zu dünn, zu kurz, zu weit vorne, mittig oder hinten an der Zunge befestigt sein. Manchmal kommt auch zusätzlich ein Lippen- oder Wangenbändchen vor.
  3. Ankyloglossie = einschränkende Zungenbeweglichkeit aufgrund eines zu kurzen Zungenbandes. Es ist vererbbar, wird z.B. vermutlich Ernährung und vielen weitern Faktoren bedingt. Sie ist häufig und bleibt meist unerkannt. In einigen anderen Ländern herrscht deutlich mehr Wissen zum Thema Zungenband. Allgemein werden die Zungenbänder, die bis zur Zungenspitze reichen deutlich häufiger erkannt als die, die sich unter der Schleimhaut verstecken
  4. Ein zu kurzes Zungenband führt zu vielen Still- und Folgeproblemen. Die Zunge ist nicht nur wichtig für Sprache, Nahrung und Atmung. Sie muss richtig liegen (zu kurzes Zungenband – Zunge liegt nicht am Gaumen, sondern am Mundboden —> Gaumen als Teil des Oberkiefers und angrenzende Zähne entwickeln sich falsch, Nasenatmung durch deformierten Gaumen (Gaumen ist Boden der Nasenhöhle) behindert.
  5. Folge: ständige MUNDATMUNG oder offener Mund – das ist NICHT NORMAL! Schnuller kann falsche Atmung auch bedingen, durch falsche Atmung wird Atemluft nicht gereinigt und angefeuchtet: mehr Infektionen der oberen Atemwege, fraglich mehr Allergien.
  6. Durch die nicht-normale-MUNDATMUNG wird das Stresssystem aktiviert: betroffene Kinder wachen nicht nur öfter auf, sie sind unruhiger und können später sogar höheren Blutdruck dadurch haben. Durch chronisch erhöhten Blutdruck (weil z.B. das Zungenband bis ins höhere Lebensalter unerkannt bleibt) kann das zum Herzinfarkt beitragen.
  7. Stillprobleme können sein: Wunde Brustwarzen trotz korrektem Anlegen, Milch fließt am Mundwinkel raus, Baby würgt oder wird bläulich wegen Atemnot, einschlafen vor dem satt sein (Erschöpfung), ständig hungrig und unleidlich (weil nie richtig satt), ständiges an- und abdocken!
  8. Weitere mögliche Probleme bei Babies: Reflux! Regulationsstörung! Exzessives Schreien, Schlafstörungen, Müdigkeit, Reizbarkeit, würgen, grünlicher Stuhl, kleines Kinn (Richtung Hals gerichtet), Atemaussetzer , flacher Hinterkopf, unsymmetrische Körperhaltung (dadurch dass Schlucken und Saugen nicht „normal“ funktioniert, werden andere Muskeln zur Kompensationen aktiviert, diese sind wiederum Teil eines Netzwerkes, sodass alles was damit zusammenhängt ungünstig beeinflusst wird!
  9. Probleme bei größeren Kindern: Hyperaktivität, Sprachstörungen mit sozialer Isolation, niedriges Selbstwert, Kreuzbiss, Erschöpfung, Schlafstörung, Zahn- und Kiefer-Fehlstellung.
  10. Leider wird das Zungenband nicht nur oft übersehen, sondern auch noch häufig falsch therapiert. Achtet darauf, dass ihr bei echten Zungenband-Experten seid. Übrigens: Therapieempfehlungen sind ebenfalls nicht einheitlich. Aber: Vor- und Nachsorge sind sehr wichtig, z.B. Die falsch genutzte Muskulatur, die nicht genutzte Muskulatur, Fehlhaltung usw. sollten ebenfalls nach Lösung des Zungenbandes trainiert werden (je länger die Diagnose gedauert hat, desto wichtiger.)

Welche Erfahrungen hast du damit gemacht?

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  • in Ausbildung zur Kinder- und Jugendpsychotherapeutin
    Ayurveda Psychologie
  • Lehrerin für achtsame Elternschaft mit Selbstmitgefühl
  • Expertin auf www.bindungsorientiert.com
  • diverse zusätzliche Qualifikationen

Ziel des Lebens ist Selbstentwicklung. Das eigene Wesen völlig zur Entfaltung zu bringen, das ist unsere Bestimmung. Oscar Wilde

In meinem Leben habe ich unvorstellbar viele Katastrophen erlitten. Die meisten davon sind nie eingetreten. Mark Twain

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Schnuller ja oder nein? Oder doch lieber Daumen?

Schnuller ja oder nein? Oder doch lieber Daumen?

Schnuller ja oder nein? Oder doch lieber Daumen?

Liebe Mami,

Du sollst informierte Entscheidungen für dein Kind treffen. Studien sind eine Sache. Das echte Leben ist manchmal (insbesondere ohne Entlastung durch unser evolutionsbiologisch vorgesehenes Dorf) eine andere Sache.

Manche Babys wollen einen Schnuller, andere ihren Daumen. Manche brauchen weder das Eine noch das Andere. Genauso unterschiedlich ist auch die Haltung der Mütter zum Daumen oder zum Schnuller, meist getrieben von der Angst vor späteren Schäden.

Ich selbst bin kein Schnuller-Feind, ich habe aktuell ein Baby daheim, das seinen Schnuller baucht. Aber: ich bin informiert und ich weiß, worauf ich achten muss. Dieses Wissen möchte ich dir an die Hand geben!

Das Informationschaos der Mütter:

Schnullerhersteller werben damit, dass ihr Schnuller die Kiefermuskulatur deines Babys trainiert und einem plötzlichen Kindstod vorbeugen kann. Die Stillmafia dagegen warnt vor Saugverwirrung, vorzeitigem Abstillen durch Schnuller-Gabe und

Plastik im Mund. Was ist denn nun die Wahrheit? Meistens liegt sie in der Mitte, gehen wir dem ganzen Mal auf den Grund!

1. Der Säugling saugt

 Dein Baby hat ein angeborenes Saugbedürfnis (deshalb heißt es Säugling!). Dein Baby saugt nicht nur um zu trinken oder um sein Verdauungssystem zu aktivieren. Das Saugen reduziert Schmerzen, es hilft beim Einschlafen und:

Es ist praktisch das einzige aktive Werkzeug, das es hat, um sich selbst zu beruhigen.

Ihm das Saugen zu verbieten wäre so gemein, wie es wach zu halten, wenn es dringend Schlaf braucht.

Du wirst schon sehr früh feststellen, dass dein Baby nicht nur saugt, wenn es trinkt. Es saugt auch (schon im Mutterleib) ungezielt an seinen Fingern oder anderen Dingen, die seinen Saugreflex auslösen. Das gezielte Saugen kommt erst ca. mit 4 Lebensmonaten, dann, wenn dein Baby motorisch so weit ist, dass es sich Daumen oder andere Finger der Wahl, gezielt in den Mund stecken kann.

2. Der Schnuller hat eine Vorgeschichte

Die Geschichte zeigt, dass Babys schon vor tausenden von Jahren einen Brustersatz bekommen haben: Stofflappen, Saugnäpfe aus Ton und was sonst noch so passte. Um die 1950 wurde der erste ‚(angeblich) kiefergerechte Beruhigungssauger‘ entwickelt. In traditionellen Kulturen, dort wo Mütter ihre Babys noch rund um die Uhr bei sich tragen, haben die Babys ständigen Zugang zur Brust, sodass Brustersatz in Form von Schnullern nicht so häufig notwendig ist, wie in anderen Ländern.

3. Mami-Wissen zum Gesichtsschädel: ‚Weichgewebe formt Hartgewebe.‘

 Den stärksten Wachstum des Baby- und Kinderschädels zeigen in den ersten Lebensjahren der Ober- und Unterkiefer. Die zwei hier wirksamen Muskelsysteme werden trainiert durch Saugen, Schlucken und Atmen. Später kommt eine lebhafte Gesichtsmimik hinzu, das Kind trainiert diese Muskeln außerdem durch Kauen, abbeißen, sprechen usw.!

Die Zunge ist ein Gegenspieler der Muskelsysteme und ein Gleichgewicht zwischen Spieler und Gegenspieler ist essenziell für das Gleichgewicht der orofazialen Muskulatur. Der Muskeltonus der Gesichtsmuskulatur hat einen Einfluss auf den ganzen Körper! Wenn Spieler und Gegenspieler nicht in einem gesunden Gleichgewicht zusammenwirken, dann kommt es zu einer Fehlnutzung der Muskulatur, d.h. die entsprechende Muskulatur trainiert falsche Funktionen, dies kann später eine schlaffe Körperhaltung oder eine Mundatmung bedingen.

Der Kieferorthopäde Tränkmann sagte 1985:

‚Weichgewebe formt Hartgewebe.‘

Es ist so wichtig, dass man dies begreift: Die Nutzung der Mundmuskulatur formt den Gesichtsschädel! Da dieser mit dem Rest des Schädels verbunden ist, beeinträchtigt dies den Kopf und der wiederum den Rest des Körpers!

Die gestörte Ruheposition der Muskeln beim schnullernden Kind birgt größere Probleme als die falsche Funktion.

Das heißt: ein schnullerndes Kind kann beim Schlafen (wenn Kiefer und Lippen normalerweise locker verschlossen sind) den Mund nicht physiologisch schließen. Mit dem Schnuller im Mund hält das Baby die Zunge in einer nicht natürlichen Position und das führt zu einer nichtphysiologischen Kieferstellung. Je länger und häufiger dies der Fall ist, desto problematischer ist das für die Zukunft des Kinderkiefers!

Das Saugen am Schnuller hat eine Wirkung auf

  • das Schluckmuster à Förderung des offenen Bisses
  • die Nasenatmung à sie wird durch eine mögliche Vergrößerung der Rachen- und Gaumenmandeln gestört
  • Kaumuskeln und Kiefergelenk à Fehlentwicklung
  • Gebissentwicklung à durch Fehlfunktion der Muskulatur
  • Infektneigung à Kind leidet z.B. häufiger an Mittelohrentzündungen

4. Wie ist das nun mit Schnuller und plötzlichem Kindstod?

Die American Academy of Pediatrics empfiehlt für den Schnuller seit 2005:

  • Nutzung bei Säuglingen zum Schlafen
  • Möglichst erst nach Etablierung des Stillens
  • Es gibt Überlegungen dazu, dass der Schnuller einen guten Einfluss auf die Schlaftiefe und Erweckbarkeit des Babys (durch akustische Reize) haben könnte, dies trifft allerdings auf nicht-gestillte Säuglinge zu. Man sollte daraus jedoch nicht ableiten, dass alle Kinder von einem Schnuller profitieren.

5. Was ist mit der Sprache von Schnuller- Kindern:

Anders als du vielleicht meinst, sind es Kinder, die ihre Mütter zum Sprechen animieren, d.h. die Kommunikationsaufnahme geht meist nicht von dir als Mutter aus. Kinder, die ständig schnullern, können sich selbst nicht hören , lautieren weniger und werden auch nicht so oft von ihren Bezugspersonen gehört. Das bedeutet auch, dass das schnullernde Kind viel wenige Ansprache durch dich bekommt, denn wie du weißt, sind wir Mütter im Alltag schnell mit unseren Gedanken bei den Dingen, die noch erledigt werden müssen und wenn unser Kind abgelenkt und ruhig ist, dann sprechen wir auch nicht ganz so viel mit ihm.

6. Wie erfährt ein schnullerndes Kind seine Umgebung?

 Die orale Phase des Kindes ist wichtig, unter anderem für das Erleben der Umwelt. Es erfährt seine Welt durch alle Sinne und dazu gehört auch: das orale Ertasten. Wenn ein Kind oft schnullert, fällt diese Stimulation des Gehirns und damit der kindlichen Entwicklung weg.

7. Ist der Schnuller eine Gefahr für das Stillen? Ist die Saugverwirrung ein Märchen?

 Mit der Schnuller-Studienlage ist es leider so eine Sache… Sie ist oft nicht eindeutig.

Das ist auch der Grund, warum du von von Fachärzten oft hören wirst, dass z.B. die Saugverwirrung ein Quatsch ist. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich selbst nicht an ihre Existenz geglaubt, hätte ich es bei meinem dritten Kind nicht persönlich erfahren.

Aus eigener Erfahrung als dreifache Mutter und Ärztin kann ich aber die Dinge, die ich während meiner IBCLC Ausbildung erfahren habe, hier bestätigen:

  • Der Schnuller kann den Stillstart und die Milchbildung anfangs schwieriger machen. Viele Kinder haben keine Probleme beim Wechsel Brust, Schnuller und Flasche. Einige bekommen das aber nicht so gut hin und müssen erstmal auf das Stillen programmiert werden, bevor ein neues Programm eingeführt ist, denn: Saugen ist zwar ein Reflex, aber Stillen ist kein Instinkt!
  • Das Dauernuckeln am Schnuller kann dazu führen, dass Hungerzeichen vom Baby nicht rechtzeitig wahrgenommen werden, es gewöhnt sich damit an gewisse Fastenperioden, die nicht physiologisch sind.
  • Babys mit Schnuller stillen sich manchmal früher ab
  • Nonnutritives Saugen wird verhindert (hier wird schneller, aber weniger tief gesaugt), das kann zum Rückgang der Milchmenge führen

Heißt das nun, dass ich den Schnuller gar nicht benutzen kann? Wenn doch: Wie nutze ich den Schnuller richtig?

Eigentlich ist es ganz einfach: wenn dein Kind (trotz dieses Infoblattes J) einen Schnuller braucht, dann quälst du es nicht. Du nutzt den Schnuller, wie ein Medikament:

Der richtige Schnuller (a), In der richtigen Situation (b), in der richtigen Dosierung(c)!

1. Was ist denn die richtige Form? Welcher Schnuller ist am Besten?

  • Der Lutschteil muss keine besondere Form haben, er sollte weich sein, damit er sich dem Babymund anpassen kann
  • Der Schaft des Schnullers sollte klein sein und die Lippen müssen den Schnuller halten können. Wenn die Lippen den Schnuller nicht halten können, dann wird der Schnuller durch die Zunge festgehalten, das stört das oben genannte Gleichgewicht der Mundmuskulatur enorm.

2. Wann darfst du den Schnuller geben?

  • Es wird empfohlen, den Schnuller nicht in den ersten 4-6 Wochen, nämlich bis das Stillen etabliert ist, zu geben. Ich bin da etwas pragmatischer, denn: jedes Kind ist anders und jede Mami ist anders. Ich weiß, dass es bei manchen Kindern fast unmöglich ist, diese Zeitspanne einzuhalten: Versuche so lange wie möglich keinen Schnuller anzubieten, insbesondere dann, wenn es mit dem Stillen etwas schwieriger ist. Viele Kinder schaffen den Switch zwischen Brust und Schnuller, einige aber leider nicht so gut. Schaffe dir eine Umgebung, die es dir erlaubt, das Saugbedürfnis deines Kindes mit der Brust (die dafür vorgesehen ist) zu ‚stillen‘. Das kann bedeuten, dass dein Kind mehrere Stunden am Tag an dir saugt, was natürlich besonders schwierig ist, wenn du z.B. noch andere Kinder hast. Der Stillerfolg, wenn du stillen kannst und möchtest, ist aber wichtig und sollte wegen seiner weitreichenden Vorteile nicht gefährdet werden. Wie gesagt: Wenn du es schaffst, deinem Kind 1-2 Wochen keinen Schnuller zu geben, ist das auch schon viel Wert! Bei manchen Kindern geht das aber nicht, dann sollte man die Situation akzeptieren, wie sie ist, denn das Wichtigste bleibt weiterhin, dass Mutter und Kind glücklich und entspannt sind.
  • Vermeide es, deinem Kind den Schnuller wieder in den Mund zu schieben, wenn er rausgefallen ist, sein achtsam: vielleicht braucht es den Schnuller gerade nicht.
  • Gewöhn deinem Kind nicht an, dass es immer einen Schnuller parat haben muss, es sollte kein Dauernuckler werden, denn irgendwann wird das Bedürfnis durch eine Gewohnheit abgelöst und das ist nicht notwendig, d.h. fixiere den Schnuller nicht an einer Schnullerkette, außer z.B. bei einer Autofahrt.
  • Wenn du dein Kind gerade nicht selbst beruhigen kannst oder eine unangenehme Untersuchung bevorsteht, darf es natürlich einen Schnuller haben!

3. Der Schnuller sollten so wenig wie möglich und so häufig wie nötig gegeben werden.

Idee:

Wir machen es so: unser Baby schläft mit Schnuller ein. Sobald es wach ist und wir das Bett verlassen, darf es den Schnuller abgeben. Wenn wir unterwegs sind und es kommt mit Tragen und streicheln nicht zur Ruhe, bekommt es auch einen Schnuller. Aber wo möglich verzichten wir darauf und wo nötig, nehmen wir es gerne (ohne Angst und Schuldgefühle) in Anspruch! Da unser müdes Baby längere Autofahrten nicht ausstehen kann, brauchen wir auch da irgendwann einen Schnuller (sonst würden wir nur stehen bleiben und nicht weiterkommen), in dieser Situation hat er den Schnuller auch an einer Schnullerkette hängen, damit er ihn schnell wiederfindet, wenn er ihn braucht.

9. Schnuller oder Daumen?

Zum einen sagen manche, der richtige Schnuller sei besser als der Daumen, da dieser hart und nicht kiefergerecht geformt ist. Beim Daumenlutschen kommt es auch zu Fehlbildungen am Kiefer, Zahnfehlstellungen und Sprachstörungen. Wie bereits erwähnt, kann es auch im höheren Alter zu weiteren orthopädischen Problemen kommen. Außerdem ist das Abgewöhnen vom Daumenlutschen oft schwieriger als die Entwöhnung des Schnullers.

Auf der anderen Seite sagt die Zahnärztekammer Nordrhein:

Zum Thema Schnuller berichtete Gastreferent Prof. Dr. Rolf Hinz über die Historie des Schnullers und Hintergründe für neue Entwicklungen. Dabei bezeichnete er „altersgerechte Sauger“ als reines Marketingargument und verwies auf die Probleme eines zu dicken Saugerhalses. Was die Frage Daumen oder Nuckel angeht, machte er deutlich, dass die „Nuckeldauer“ der entscheidende Faktor sei: „Mit Daumen im Mund kann man nicht Lego spielen – mit Nuckel im Mund geht das stundenlang.“ 

Zusammenfassend könnte man also festhalten: 

Stillen ist besser als Fläschchen, Daumen besser als Schnuller.

Fazit:

  • Der Schnuller ist weder Teufel noch Engel.
  • Die Geschichte vom kiefergerechten Schnuller ist ein Märchen, das sich hartnäckig hält.
  • Das Kind saugt am Schnuller nicht, wie es das an der Brust tut, deshalb entwickeln sich hier Kiefer- und Gesicht anders von der Natur vorgesehen.
  • Brustwarze und Babymund sind ein Team, sie passen sich ununterbrochen an, gemeinsam bewirken sie die beste Form des Kiefers. Beim Saugen an der Brust wirken die Kräfte nach Außen, beim Saugen am Schnuller wirken sie nach innen, das hat eine grundlegend unterschiedliche Wirkung auf die Physiologie und Anatomie des Babykopfes .
  • Der Schnuller darf kein Ersatz für Zuwendung sein. Er darf kein Ersatz für liebevolle Nähe und Berührung sein, er darf kein routiniertes ‚Ruhigstellen des Kindes sein‘. In speziellen Situationen (z.B. Autofahrt) geht das natürlich schon!
  • Gestillte Kinder dürfen an der Brust auch ihr Saugbedürfnis befriedigen, es kann anfangs also vorkommen, dass dein Baby sehr, sehr, sehr häufig angelegt werden möchte. Idealerweise (insbesondere in den Wochen, in denen kein Schnuller eingeführt werden sollte) darf dein Kind dann saugen, wenn es das auch braucht. Hilfe im Wochenbett ist dafür Gold wert!
  • Die Schwere der schädlichen Auswirkungen des Schnullers hängt ab von Intensität, Häufigkeit und Dauer der Verwendung, deshalb
  • empfiehlt die Zahnärztekammer den Daumen, da dieser nicht so häufig und lange im Mund (z.B. beim Spielen mit den Händen) verbleiben kann, wie der Schnuller.
  • Ich ergänze dem noch: Wenn Dein Kind den Daumen nicht mag, ist ein Schnuller auch in Ordnung, reduziere aber die Zeit der Nutzung auf ein Minimum und achte darauf, dass der Schnuller nicht zu einer Gewohnheit wird.
  • Gestillte Kinder dürfen einschlafgestillt werden. Nicht-gestillte Kinder sollten zum Einschlafen einen Schnuller erhalten. Wenn dein Baby keinen Schnuller möchte: bitte nicht aufzwingen!

Ich hoffe dieser Text hat dir etwas Klarheit geschaffen und du findest mit diesen Informationen deinen eigenen Weg!

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Für dich und dein Kind, habe ich mich ausgebildet:

  • Ärztin, Familien- und Life-Coach
  • Gründerin von MAP-Family®
  • Europäisches Diplom für ganzheitliche Medizin
  • In Ausbildung zur Psychotherapeutin für Kinder- und Jugendliche
  • Lehrerin für achtsame Elternschaft mit Selbstmitgefühl
  • Expertin auf www.bindungsorientiert.com
  • diverse zusätzliche Qualifikationen

In meinem Leben habe ich unvorstellbar viele Katastrophen erlitten. Die meisten davon sind nie eingetreten. Mark Twain

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