Mami-Horror: Fieberkrampf!

von | Aug 15, 2019 | Ganzheitliche Medizin

Schön, dass Du da bist!

Du hast hier nun bereits gelernt, dass Fieber sinnvoll und eine aktive Reaktion des Körpers ist. Da Du Deinem Kind durch Fieber- und Schmerzmittel nicht schaden möchtest, hast Du auch diesen Artikel über Fieber- und Schmerzmittel gelesen. 

Heute gehen wir einen Schritt weiter: Wir sprechen über das, wovor Du vermutlich am meisten Angst hast, wenn Dein Kind fiebert: Dem Fieberkrampf (FK).

Falls Du mein kostenloses , über 50 Seiten langes Ebook ‘ganzheitlich gesunde Kindheit’ noch nicht kennst, schau gerne hier vorbei, es ist nicht mehr lange verfügbar.

Du lernst heute:

  • Kann auch Dein Kind einen FK erleiden?
  • Was passiert beim FK genau?
  • Sehen alle FK gleich aus?
  • Wie erkenne ich einen FK, wie sieht aus, wenn Dein Kind einen FK hat?
  • Was kannst Du tun, wenn Dein Kind krampft? Was solltest Du auf keinen Fall machen?
  • Muss Dein Kind mach einem FK immer in die Kinderklinik?
  • Was passiert in der Kinderklinik? Und danach?
  • Was Du tun kannst, um einen Krampfanfall zu verhindern?
  • Wird Dein Kind eine Epilepsie entwickeln?

Und los geht es! Erstmal zu meinem ersten Kontakt mit dem FK!

Ich hatte in meinem Studium natürlich davon gehört, ich wusste jedes fachliche Detail auswendig, als ich mit schlotternden Knien meinen ersten Nachtdienst antrat.Nachdem ich meine erste Runde über die Station gemacht hatte, klingelte mein Notfall-Telefon. Die Station rief an, ich solle sofort kommen, ein Kind würde krampfen. Ich rannte was das Zeug hielt, ging im Kopf nochmal schnell das weitere Procedere durch und sah es dann auch schon: das Krankenbett wackelte, das Kind zuckte und die Mutter kollabierte.

Die Krankenschwester war wesentlich entspannter als ich! Sie hatte die Uhr im Auge und wir beschlossen, noch eine Minute zu warten, bis wir ein Notfallmedikament geben würden. Und da war der Spuk auch schon rum. Das Kind schlief ein und die Mutter starrte entsetzt auf den Monitor, der den schnellen Puls des Kindes anzeigte und hielt sich an den blinkenden Zahlen fest, die ihr signalisierten: ihr Kind lebt noch.

Das eigene Kind krampfen zu sehen ist für viele Mütter ein Schock und auch wenn sie gut aufgeklärt sind, bleibt die Sorge vor einem weiteren Krampfanfall bei jedem Infekt und bei jedem Fieber bestehen, deshalb möchte ich Dich an dieser Stelle an die Hand nehmen. Wenn Dein Kind noch nie einen Fieberkrampf hatte, wird dieser Artikel Dir helfen, cool und handlungsfähig zu bleiben. Wenn Dein Kind bereits einen oder mehrere Fieberkrämpfe hatte, tut es Dir vielleicht noch einmal gut darüber zu lesen und vielleicht ist der ein oder andere Hinweis für Dich dabei, der Dir etwas Entspannung hervorruft.

Kann Dein Kind einen Fieberkrampf bekommen?

Etwa 5 von 100 Kindern haben in ihren ersten Lebensjahren (meist im Alter von 6 Monaten bis zu 5 Lebensjahren) einen Fieberkrampf. Besonders häufig tritt dieser bei Kindern in den ersten 3 Lebensjahren auf. Theoretisch kann also auch Dein Kind betroffen sein, deshalb ist es wichtig, dass Du bereits davon gehört hast und weißt, was Du im Falle eines Fieberkrampfes tun musst.

Wenn in Deiner Familie gehäuft (auch Eltern und Großeltern) Fieberkrämpfe vorkommen, ist das Risiko für Dein Kind, mal einen Fieberkrampf zu erleiden, größer. Sie kommen häufig bei Virusinfekten vor, aber auch manchmal nach einer fieberhaften Impfreaktion. Der Krampfanfall wird vom Gehirn ausgelöst und ist auf die Unreife des Gehirns zurückzuführen. Kleine Jungs haben häufiger Fieberkrampfe als kleine Mädchen.

Wichtig an dieser Stelle ist:

Du kannst einen Fieberkrampf nicht vorhersehen! Falls Dein Kind einen Krampfanfall bei Fieber bekommt, hast du NICHTS falsch gemacht. Warum Du Dir keine Vorwürfe machen musst, liest Du gleich weiter unten.

Was passiert beim Fieberkrampf genau?

Ich möchte es nicht zu kompliziert machen, aber sagen wir so: Durch bestimmte Trigger kommt es im unreifen Gehirn zu einer ‚Senkung der Krampfschwelle‘; diese hat eine unkoordinierte Entladung von Hirnnervenzellen zur Folge.

Sind alle Fieberkrämpfe gleich?

Nein! Man unterscheidet komplizierte von unkomplizierten Fieberkrämpfen. Diese Unterscheidung ist wichtig für die weitere Einschätzung. Was alle Krämpfe gemeinsam haben? Sie versetzen Mütter in blanke Panik und erscheinen auch dann, wenn sie nur kurz waren, wie eine Ewigkeit.Wenn Du einen Fieberkrampf das erste Mal erlebst, überkommt Dich das Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit. Du hast Angst, dass Dein Kind stirbt oder danach schwerbehindert sein wird.

 

Unkomplizierter Krampfanfall (häufigste Form)

Komplizierter Krampfanfall (Eine dieser Merkmale reicht!)

Alter

6 Lebensmonate bis 5 Jahre

Unter 6 Lebensmonate und über 5. Jahre

Dauer

Unter 15 Minuten

Max. 1 Anfall in 24h

über 15 Minuten

Wiederholter Anfall innerhalb von 24h

Bild

Beidseitiges Zucken oder steif machen

Zucken einseitig

Danach kurzzeitige Lähmungserscheinung

Merke: Schon so manches Mal haben Eltern einen sehr starken Schüttelfrost für einen Fieberkrampf gehalten. Hier ist das Kind aber bei Bewusstsein!

Wie sieht es aus, wenn Dein Kind einen FK hat?

 Der Arzt wird Dich fragen, wie der Krampfanfall ausgesehen und wie lange er gedauert hat. Für die allermeisten Mütter ist es (insbesondere beim ersten Mal) nicht möglich, diese Frage genau zu beantworten, bitte hab kein schlechtes Gewissen, wenn das auch bei Dir der Fall sein sollte, schließlich befandst Du Dich in einem Ausnahmezustand. Außerdem: es ist einfacher, wenn Du weißt, worauf Du achten musst.

  • Hat Dein Kind die Augen verdreht? In welche Richtung?
  • Waren seine Lippen blau?
  • Hatte es eine flache oder fehlende Atmung?
  • Wo zuckte Dein Kind?
  • Auf welcher Seite begann das Krampfen?
  • Hatte Dein Kind rhythmische Zuckungen der Muskulatur von Armen und Beinen?
  • Oder hat sich Dein Kind am ganzen Körper steif gemacht/durchgebogen? Vielleicht war es ganz schlaff?
  • War Dein Kind bei Bewusstsein?
  • Hat es eingenässt oder eingekotet?
  • Hat es geschmatzt oder gegurgelt?
  • Wie war Dein Kind nach dem Krampfanfall? Müde? Hat es geschlafen? War es wieder frisch?
  • Hatte Dein Kind nach dem Anfall Lähmungserscheinungen (Todd’sche Parese)?

Wenn Du nur auf zwei Dinge achten kannst, sollten es diese sein:

  • WICHTIG:Wie lange dauerte es?Hat es von selbst aufgehört oder erst nach Gabe der krampflösenden Medikation?
  • WICHTIG: Hat Dein Kind auf beiden Körperseiten gekrampft?

Was kannst Du tun wenn Dein Kind krampft? Was solltest Du auf keinen Fall machen?

  1. Keep Cool!(Ja, einfacher gesagt, als getan….) und sei Dir bewusst: Du kannst nicht viel machen!
  2. Auf die Uhr schauen und Zeit stoppen! Wann hat es angefangen und wann hat es aufgehört, die Dauer des FK ist für die weitere Einschätzung des KA wichtig.
  3. Du musst die Umgebung sichern und darauf achten, dass sich Dein Kind während des FK nicht zusätzlich verletzen kann, daher z.B. vom Sofa, aus dem Hochstuhl nehmen (Sturzgefahr!).
  4. Die Kleidung (falls nötig) kannst Du lockern, damit sich Dein Kind nicht stranguliert, bzw. die Atmung durch zu enge Kleidung behindert wird.
  5. Du sollst nicht den FK unterdrücken (nicht schütteln, nicht die zuckenden Körperteile festhalten, nicht den Finger in den Mund stecken, auch nicht, wenn Dein Kind sich dabei auf die Zunge beißt, nicht mit kaltem Wasser bespritzen, kein kalten Waschlappen auf die Haut Deines Kindes legen)
  6. Im Krampfanfall ist Fiebersenkung nutzlos! Keine Zeit damit vergeuden. Ggf. erst, wenn der Anfall vorbei ist.
  7. Auf die Uhr schauen! Zeit stoppen: Notarzt (NA) rufen (Tel. bundesweit 112), meistens ist der Anfall aber bis zum Eintreffen des NA schon vorbei, das Kind erschöpft, atmet aber wieder normal.
  8. Wenn Dein Kind beim Eintreffen des NA doch noch krampfen sollte, wird er ein krampflösendes Medikament geben.
  9. Postiktale Müdigkeit:So ein Krampfanfall ist anstrengend für den Körper und das Gehirn. Danach ist Dein Kind schläfrig und müde, auch dies solltest Du wissen, damit Dich dieser Zustand nicht noch nervöser macht.
  10. Der NA wird Dein Kind ins Krankenhaus mitnehmen.

Siehe Merkblatt ‚Was tun im Notfall‘ zum Download.

Muss Dein Kind nach einem FK immer in die Kinderklinik?

In den allermeisten Fällen wird Dein Kind bei einem FK in die Kinderklinik gebracht. Was dort auf Dich wartet, habe ich unten in einem Merkblatt für Dich zusammengefasst. Je besser Du vorbereitet bist, desto sicherer fühlst Du Dich, falls es mal soweit ist.

Immer in die Kinderklinik muss man, wenn:

  • Dein Kind zum ersten Mal einen FK hat
  • Du unsicher bist
  • Es ein komplizierter FK oder KA ohne Fieber ist
  • Wenn es Deinem Kind nicht gut geht

Manchmal entscheiden sich Eltern, die Fieberkrämpfe bei ihrem Kind schon kennen, dagegen in die Kinderklinik zu fahren. Aber auch diese sollten zeitnah ihren Kinderarzt aufsuchen. Eine kinderärztliche Untersuchung ist dringend zu empfehlen, da dieser ausschließen muss, ob es sich um einen FK handelt oder es doch ein Krampfanfall anderer Ursache war (z.B. Hirnhautentzündung, Vergiftung). Im letzteren Fall muss das Kind ganz anders – und oft möglichst schnell- behandelt werden.

Merke: Im Zweifel immer Notarzt rufen!

Was passiert in der Kinderklinik?

Siehe Merkblatt für Mitglieder des Heilraumes.

Was passiert nach dem Aufenthalt in der Kinderklinik:

  • Du hast ein Notfallmedikament zuhause für den Fall, dass es erneut zu einem Krampfanfall kommt!
  • Du hängst Dir das Merkblatt ‚Was tun im Notfall‘ an einer sichtbaren Stelle auf, denn: 1/3 aller Kinder hat ein Rezidiv und wahrscheinlich wird es Dich auch beim nächsten Mal, falls Dein Kind zu den 1/3 gehört beunruhigen.
  • Du bist informiert und hoffentlich sicherer nach diesem Beitrag.

Was Du tun kannst, um einen Krampfanfall zu verhindern?

Viele Ärzte empfehlen den Eltern, die Temperatur des Kindes ab 38 Grad zu senken.

Das ist schlichtweg falsch und längst überholt! Warum?

Mit dieser Aussage wird die Verantwortung für den Fieberkrampf in die Hände der Eltern gelegt. Sie fühlen sich, als ob sie versagt hätten, wenn das Kind krampft. Sie leiden bei jedem Infekt unter maximalem Stress und messen ständig die Temperatur des Kindes. Das Kind hat auch nicht unbedingt Freude daran…

  1. Es bringt nichts, weil der Fieberkrampf oft das erste Symptom ist (oft noch vor Fieber!!)
  2. Es bringt nichts, weil der Krampfanfall typischerweise durch den raschen Fieberanstieg entsteht und, falls Du 38°C überhaupt rechtzeitig misst, wird es dann nach Gabe des Fiebermittels noch min. 20-30 Minuten dauern, bis eine Wirkung eintritt.
  3. Der FK tritt nicht bei bestimmten Grad-Zahlen auf!

Ganz salopp gesagt: 

Fiebermittel können den Fieberkrampf nicht verhindern, auch nicht, wenn Du das Fieber frühzeitig senkst. Du kannst Dir den Stress sparen.Viel wichtiger ist es zu verstehen, dass ein Fieberkrampf nicht gefährlich ist.

Eine Dauerbehandlung ist bei Kindern mit Fieberkrämpfen in der Regel nicht nötig. In seltenen Fällen bekommen Kinder mit sehr häufigen/komplizierten FK eine krampflösende Prophylaxe.

Wird Dein Kind eine Epilepsie nach einem Fieberkrampf entwickeln?

  • Dein Kind wird sich trotz eines Fieberkrampfes genauso normal entwickeln wie ein Kind ohne Fieberkrampfanamnese.
  • Der Fieberkrampf schadet NICHT dem Gehirn Deines Kindes!
  • Das Risiko, dass Dein Kind nach einem FK eine Epilepsie entwickelt ist nicht höher als das der Kinder, die keinen Fieberkrampf haben. Es ist auch unklar, ob eine leichte Erhöhung der Epilepsieneigung durch die FK entsteht oder ob Kinder mit einer Neigung für Epilepsie häufiger auch Fieberkrämpfe haben.

 

Take Home Message:

  • Ein FK sieht bedrohlich und erschreckend aus, aber es handelt sich um einen ‚Gelegenheitskrampf‘ und dieser wächst sich aus und hinterlässt keine bleibenden Schäden. Das Epilepsierisiko ist gegenüber dem der Kinder, die keine FK haben, nicht wesentlich erhöht.
  • Frühzeitiges Fiebersenken hat keinen Einfluss auf die Entwicklung des Fieberkrampfes und ist unnötiger Stress für Mami und Kind.
  • Du als Mutter trägst keine Verantwortung für die Entwicklung des Fieberkampfes!
  • Du als Mutter kannst die Entstehung des Fieberkrampfes nicht verhindern.
  • Du als Mutter kannst aber dafür sorgen, dass Dein Kind während des FK in Sicherheit ist und die notwendige medizinische Versorgung bekommt, die es braucht.

 

Ich hoffe, ich konnte Dir und Deinem Kind helfen!

Deine Dr.Mami

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Für dich und dein Kind, habe ich mich ausgebildet:

  • Ärztin, Familien- und Life-Coach
  • Gründerin von MAP-Family®
  • Europäisches Diplom für ganzheitliche Medizin
  • i.A. Psychotherapie für Kinder- und Jugendliche
  • Lehrerin für achtsame Elternschaft mit Selbstmitgefühl
  • Expertin auf www.bindungsorientiert.com
  • diverse zusätzliche Qualifikationen

Ziel des Lebens ist Selbstentwicklung. Das eigene Wesen völlig zur Entfaltung zu bringen, das ist unsere Bestimmung. Oscar Wilde

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